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Samuel Scheidt
Motetten und Konzerte
Spandauer Kantorei, Helmuth Rilling
Cantate C21322 (Streaming/Download)
Samuel Scheidt (1587-1654)
gehört ‒ nach einem Wort des Musikschriftstellers W. C. Printz (1690) ‒ neben Heinrich Schütz und Johann Hermann Schein zu den „drey berühmten S“ des 17. Jahrhunderts. Alle drei (fast gleichaltrigen) Meister eint Geburt und spätere Wirksamkeit im sächsisch-thüringischen Raum, dem Urlande der von Wittenberg ausgehenden Reformation; alle drei waren in hervorragenden fürstlichen oder städtischen Ämtern dem lutherischen Gottesdienst und der durch diesen bestimmten Lehre von der Musikkunst als dem Träger des Wortes Gottes und des Lobopfers der Gemeinde verpflichtet; alle drei sahen (musikalisch betrachtet) eine wichtige Aufgabe ihres kompositorischen Schaffens darin, den in Italien entstandenen neuen Stil der konzertanten solistischen Monodie mit Generalbaßbegleitung auf die musikalisch noch ganz durch die polyphone Mehrstimmigkeit (die den lutherischen Theologen und Kantoren ein Abbild göttlicher Schöpfungsordnung war) und den vorgegebenen Cantus firmus geprägten deutschen Verhältnisse zu übertragen.
Die Spandauer Kantorei,
der als Chor der Kirchenmusikschule des Evangelischen Johannesstifts Berlin-Spandau nicht allein im Berliner, sondern im gesamten deutschen Kirchenmusikleben eine zentrale Stellung und Funktion zukam, konnte bereits auf eine ruhmreiche künstlerische Tradition zurückblicken, die namentlich mit dem Wirken ihres Gründers und ersten Leiters, Gottfried Grote, verbunden ist. So hatte sich der Chor vor allem zu Beginn der fünfziger Jahre durch seine denkwürdigen Aufführungen von Peppings „Passionsbericht des Matthäus“ einen weithin geachteten Namen erworben.
Diese verpflichtende Tradition eines der führenden a cappella-Chöre in Deutschland wurde in neuem Geiste weitergeführt durch Helmuth Rilling, der neben seiner Tätigkeit an der Stuttgarter Gedächtnis-Kirche seit Herbst 1963 einen Lehrauftrag für Chorleitung an der Berliner Kirchenmusikschule übernommen hatte. Ihm war es in kurzer Zeit gelungen, das Ensemble neu zu formieren. Die vorliegende Aufnahme ist darum als Dokument der wieder begonnenen Arbeit besonders bedeutsam.