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Heinrich Schütz: Matthäuspassion
Historia des Leidens und Sterbens unsers Herrn und Heilandes
Jesu Christi nach dem Evangelisten St. Matthäus
SWV 479
Theo Altmeyer, Tenor (Evangelist) - Wolfgang Schöne, Bass (Jesus) Hanns-Friedrich Kunz, Tenor (Pilatus) - Margret Jetter, Sopran; Rainer Nauber, Bass; Magdalene Schreiber, Sopran; Hans Wilhelm, Tenor (Soliloquenten)
Gächinger Kantorei Stuttgart
Helmuth Rilling
Cantate C28232 Streaming/Download
in volles Jahrhundert liegt zwischen den Geburtsjahren von Schütz und Bach, aber nur 63 Jahre trennen Schützens im Jahre 1666 aufgezeichnete Matthäus-Passion von der 1729 vollendeten Matthäus-Passion Bachs. Dennoch ist dieser Zeitabstand groß genug, um den zwischen den beiden Werken bestehenden beträchtlichen Unterschied unter den Aspekten von Textwahl, Besetzung und Stil verständlich erscheinen zu lassen. Bach durchsetzt die Vertonung des Evangelistenberichtes mit Kirchenliedsätzen, mit Rezitativen und Arien über nichtbiblische Texte; er verwendet einen großen Instrumentalapparat und behandelt die Singstimmen, von den Rezitativen abgesehen, primär nach autonom musikalischen Prinzipien.
Alles dies findet sich bei Schütz nicht. Wie Bach verwendet er zwar für den Eingangs- und Schlußchor nichtbiblische Texte, im übrigen stützt er sich aber allein auf den Bericht des Evangelisten, den er im Stil der Responsorial- oder Rezitativpassion auf Solostimmen und Chöre (Turbae) verteilt. Zum anderen verzichtet Schütz, im Gegensatz zu seiner Weihnachtshistorie (1664) und der Auferstehungshistorie (1623), entsprechend dem liturgischen Gebrauch am Dresdener Hof auf jegliche instrumentale Zutat. Schließlich setzt er — und das ist für sein Verhältnis zum Text insgesamt gesehen in hohem Maße charakteristisch — den Sprachrhythmus der Prosa zumeist unmittelbar in Musik um. Darauf beruht die unerhörte Eindringlichkeit von Schützens musikalischer Diktion.
Wiederveröffentlichung einer Cantate-Aufnahme von 1972