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Johann Sebastian Bach
Sonate Nr. 3 für Violine solo BWV 1005
Partita Nr. 3 für Violine solo BWV 1006
Susanne Lautenbacher, Violine
Musicaphon M51506 (Streaming/Download)
Johann Sebastian Bachs Sonaten und Partiten für Violine allein bilden einen Höhepunkt innerhalb der abendländischen Musik. Zwar wurden sie nur für ein einziges Instrument komponiert, dennoch verkörpern sie durch ihre Polyphonie wie durch ihre Linearität barockes Empfinden in seltener Reinheit. Gedanke und Gestalt bilden hier eine Einheit, die kaum ihresgleichen hat. Die Einstellung der späteren Epochen zu diesen Meisterwerken ist freilich verschieden gewesen. Oft in ihrem Wert verkannt, vielfach zu rein pädagogischen Zwecken herabgewürdigt, fanden sie erst im 20. Jahrhundert aus einer neuen geistigen Haltung heraus gerechte Beurteilung.
Die Sonaten und Partiten sind nach einheitlichem Plan konzipiert und zweifellos als Zyklus angelegt. Auf Jede Kirchensonate mit langsamer Einleitung, rascher Fuge, langsamem Zwischensatz und raschem Schlußsatz folgt eine Partita, die entweder das übliche Suitenschema mit Allemande, Corrente, Sarabande und Gigue durch Varianten (Doubles) abwandelt oder eine großangelegte Chaconne hinzufügt oder auch freie Tanzsätze italienischer und französischer Herkunft aneinanderreiht. So entsteht bei aller planvollen Ordnung und inneren Geschlossenheit eine höchst abwechslungsreiche Folge, die alle Möglichkeiten instrumentaler Gestaltung im Sinne barocker Musizierpraxis ausschöpft, der jedoch nichts Zufälliges anhaftet. Barockes Musikempfinden ist hier umfassend und gültig dargestellt.
Natürlich baut auch Bach auf ein Erbe auf. Wie er aber aus europäischen Tanzformen etwas ganz Neues, Einmaliges schafft, das ragt weit über seine Zeit hinaus. Niemals ist die musikalische Linie Selbstzweck oder gar rein virtuos bestimmt, alles musikalische Geschehen wächst kraftvoll und gesetzmäßig von innen her und bleibt an eine höhere geistige Ordnung gebunden. Davon zeugt sowohl der kühne Schwung der einstimmigen melodischen Linie wie auch die unerhörte Dichte des polyphonen Geschehens. Erwachsen aus höfischem Milieu, gebunden an den Musizierstil der Zeit, doch geformt von einer Persönlichkeit, die Zeit und Raum sprengt, bedeuten die Solo-Sonaten und Partiten für Violine einen Markstein europäischer Musikentwicklung.