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Georg Friedrich Händel
Sechs Sonaten für Violine und b.c. aus op. 1
Susanne Lautenbacher, Violine
Hugo Ruf, Cembalo
Johannes Koch, Viola da gamba
Musicaphon M21518 (Streaming/Download)
Fast alle Sonaten der Sammlung halten sich im Rahmen jener hochbarocken Spielmusik, die in der blühenden bürgerlichen und höfischen Haus- und Kammermusikkultur des frühen 18. Jahrhunderts wurzelte und nach der stets eine entsprechend lebhafte, im engeren Kreise durch handschriftliche Überlieferung, überregional durch die Produktion der großen Musikverlage befriedigte Nachfrage herrschte. Stil und Technik dieser Musik sind durch ihren Zweck weitgehend bestimmt: musikalische und spieltechnische Extravaganzen werden bewusst vermieden, und fast alle Werke überschreiten einen mittleren Schwierigkeitsgrad nicht.
In den Violinsonaten werden die traditionelle Viersätzigkeit der Corellischen Kirchensonate und die zweiteilige Tanzform wie der traditionelle Tanzcharakter der schnellen Sätze (vor allem der Giguencharakter der Finali) getreu bewahrt; der prägnante melodische Einfall zählt mehr als seine kunstvolle Verarbeitung; die motivische Verknüpfung von Melodie- und Generalbaßstimme hält sich in bescheidenen Grenzen; maßvolle, „mittlere" Affekte und die strenge Affekteinheit innerhalb der Sätze dominieren durchaus. Das Genie Händels aber zeigt sich, unverwechselbar auch in diesem so bescheidenen Rahmen, in der Prägnanz und dem gestischen Pathos der Melodik, in der Fülle der Gestaltungsnuancen in kraftvoll konzentrierten und gedrungenen Formen und in einem eigentümlichen, schlichten Charme, der ein ungewohnter, sehr liebenswerter Wesenszug des Schöpfers der monumentalsten Opern und Oratorien der Epoche ist.