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Johann Sebastian Bach: Sechs Violinsonaten
Vol. 1:
Sonate Nr. 1 h-Moll, BWV 1014
Sonate Nr. 2 A-Dur, BWV 1015
Sonate Nr. 1 h-Moll, BWV 1014
Sonate Nr. 2 A-Dur, BWV 1015
Sonate Nr. 3 E-Dur, BWV 1016
Hansheinz Schneeberger, Violine
Eduard Müller, Cembalo
Eduard Müller, Cembalo
Musicaphon M23005 (Streaming/Download). Aufnahme von 1960
Wenn man von der Violinsonate der Barockzeit spricht, meint man gemeinhin das Violin-Solo mit Generalbass-Begleitung; Violinstimme und Cembalo-Bass (dem sich nach Belieben ein Streichinstrument zugesellen kann) sind ausgeschrieben, die rechte Hand des Cembalisten greift Füllakkorde, die durch eine Bezifferung in ihrer Harmonie, nicht aber in ihrer Lage vom Komponisten vorgeschrieben sind. Auch Bach hat solche Sonaten für Violine wie auch für Flöte geschrieben; doch ist ihre Zahl verhältnismäßig klein, und wir müssen annehmen, dass sein zur Polyphonie drängender Geist bald andere Lösungen suchte und diese in der „obligaten" Behandlung des Tasteninstruments fand. So entstanden neben Flöten- und Gambensonaten als Hauptwerk der Gattung die Sechs Sonaten für Violine und konzertierendes Cembalo, deren Entstehungszeit man mit Forkel in die Köthener Jahre zwischen 1718 und 1722 wird ansetzen müssen.
Satztechnisch ist in ihnen die volle Gleichberechtigung von Violine und Cembalo erreicht. Der Triosatz dominiert, in dem der Violinspieler eine, der Cembalist mit der rechten und linken Hand je eine weitere Stimme greift; der Generalbasssatz tritt zurück, erscheint nur gelegentlich, gleichsam als eine Möglichkeit unter vielen, wobei die Füllgriffe der rechten Hand nicht immer als Bezifferung, sondern zuweilen auch als ausgeschriebener Satz erscheinen. Charakteristisch für diese Sonaten sind die fugierten Sätze, in denen im Gegensatz zur Klavier- und Orgelfuge zu Beginn nicht jede der drei Stimmen einzeln einsetzt, sondern der Cembalobass die Themeneinsätze der Oberstimmen von allem Anfang an begleitet, während die rechte Hand des Cembalisten bis zu ihrem Themeneinsatz nach Generalbassmanier Füllakkorde greift. Eine Verstärkung der Basslinie durch eine Gambe ist im Titel der Sammlung ad libitum vorgesehen, erweist sich aber von der Struktur her als entbehrlich (sofern das Cembalo in der Bassregion voll genug klingt) und ist in dieser Aufnahme unterblieben.